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schneewanderer
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schneewanderer » blog » tiefenbach

tiefenbach

     
08.01.2008 18:38

Vor der Haustüre


Nach dem Kirchgang

treiben die alten Nachbarinnen
mit ihren Zungen
Wurzeln in den Asphalt
 
wo sie stehen
wächst nie mehr
Schweigen nach
 
© schneewanderer
 
 
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08.01.2008 18:27

Wald im Dezember

 

 
Vor der Treibjagd

die Hochsitze
wie Wachtürme
aneinander gereiht

Keine Pacht
erwarb je
das Recht
auf die
Schlüssel

Kein Gefängnis
also dieser Ort

Keine Gefangenen

Außer
dem Einen
 
© schneewanderer
 
 
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08.01.2008 18:20

keine heimat

 
kaum der rede wert

der ort
ohne weingut
ohne golfplatz

bei tag
kratzt man
die katzen
von der hauptstraße

die zu schnellen
die zu langsamen

sogar die selbstmörder
dürfen neben den
geduldigeren liegen

immer
wird mich etwas
als fremden verraten

sei es auch nur
dieses gedicht

 © schneewanderer
 
 
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07.01.2008 21:53

Raureif


 
 
 

 
 
 
Raureif I
 
Die kalten Finger
der Nacht
berühren meine

hier am Weiher
zwischen
Schilf
und
Frost

Noch einmal
ist die Sonne
eingeschlafen

Dreht
dem Tag
den Rücken zu



Raureif II

eis trug uns
am ersten tag

das behutsame rot
der baumspitzen
nahe beim ufer

am zweiten tag
gingen wir verloren
da nichts uns trug

außer licht
außer wasser

außer uns




Raureif III

wohin gehen
wenn nicht
an den anfang

dahin wo
der mensch
seinen ersten
schritt setzte

an den rand
der zeit
an die grenze
zwischen
erde und wasser

dahin
wo sich
tiere
versammeln
morgens

scheu
durstig
wachsam

und doch
voller vertrauen

in die erde
in das wasser
in die zeit

hier
an diesem
weiher
am sechsten tag
des jahres

© schneewanderer



 
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07.01.2008 21:44

sprachkurs

 
morgens

in der einen stunde
vor tag
verstehe ich ihn
ein erstes
und einziges mal

den alten mann
gegenüber
mit hängenden schultern
und eingefallenen wangen

seine tochter holte ihn
wahrscheinlich aus
einer morbiden kleinstadt
mit renoviertem stalindenkmal
mit schornsteinen
anstatt himmel

ich verstehe ihn
für diesen moment
zieht er
an seiner zigarette
buchstabiert
seine lunge ihm
den tod
 
© schneewanderer
 
 
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07.01.2008 21:40

rückzug


der letzte holländer

hat schon lange
einen der tausend hügel
hier geräumt

nun träumt er wieder
ebenerdig
unter meereshöhe

das dorf
fällt wie
ein bienenschwarm
in die weinberge ein
nimmt den hängen
den honig
der vorhergehenden sonne
die stille

an solchen tagen
finde ich sie wieder
gleich hinter
einem abgewetzten buchdeckel

© schneewanderer


 
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07.01.2008 21:36

Irrweg

 
Schwere Traktoren

fahren das Wasser
nach oben

Zu den
diesjährigen
Weinstöcken

Den Schmalen
Den Durstigen

Zu denen
die Dürre
noch nicht
kennen

Wir bringen
Wasser hinauf
zu unseren
Sünden
von gestern
 
© schneewanderer
 
 
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07.01.2008 21:34

Wo ich gehe

 

 
Nicht viel

an flachen Wegen

Hügel
vom Morgen
bis in den Abend

Von einem Himmel
in den Nächsten

In die Falten
hat der Mensch
Weinberge
gelegt
Obstbäume

Immer
mit dem einen Fuß
im Wachsen

Mit dem Anderen
im Ertrag
 
© schneewanderer
 
 
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07.01.2008 21:31

Die Kirche als Nachbar

 
Laut

immer
viel zu laut
die Glocken
zur Totenmesse

Als müßten sie
die Trauer
übertönen

Immer
Alle

Und nie
will sie es
 
© schneewanderer
 
 
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07.01.2008 21:28

Fremde


Unten in der Senke

verharren
ängstlich die Wildschweine

Verharren müssen auch die Hunde
Ihr Zittern straft
einen gnädigen Gott Lügen
Straft uns
die wir darauf bestehen

Irgendetwas
verrät uns immer
auf den Spaziergängen
Lange bevor wir
den Asphalt verlassen

Es ist nicht
unser Lärm

Es ist nicht
unser Geruch

Es ist wohl
unser Menschsein
an sich

© schneewanderer


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